Beruf/Ausbildung

 

Ein Beruf mit Zukunft

Wundere dich bitte nicht, wenn wir immer nur von der Rechtsanwaltsfachangestellten schreiben. Natürlich ist der Beruf auch was für Jungs. Im Moment machen die Ausbildung noch mehr Mädchen. Aber das muss ja nicht so bleiben. Schon jetzt entdecken immer mehr Jungs, dass man als Rechtsanwaltsfachangestellter viel mehr als nur ein Sekretär ist, der tippt und Kaffee holt.

Sicher kennt Ihr das, wie komisch sich Texte lesen, in denen immer die/der oder jede/jeder steht. Drum lassen wir das lieber weg. Also: fühlt euch bitte alle angesprochen.

Voraussetzungen

Eigentlich kann jeder Rechtsanwaltsfachangestellter werden. Die Ausbildung ist an keinen bestimmten Schulabschluss gebunden. Aber Realschulabschluss oder Abitur ist bei deiner Bewerbung von Vorteil.

Wichtiger als der Berufsabschluss ist, dass du kommunikativ und aufgeschlossen bist und dass du gerne mit Menschen umgehst. Gute Manieren sind das A und O. Schließlich wirst du es sein, mit der Anrufer und Mandanten es zu oft tun haben- und der erste Eindruck zählt.

Rechtsanwaltsfachangestellte sind die rechte Hand des Anwalts. Viele Aufgaben wirst du selbständig übernehmen. Du solltest deshalb sehr zuverlässig sein und Organisationstalent haben, damit du deinem Ausbilder auch mal den Rücken freihalten kannst und er sich in allen Situationen auf Dich verlassen kann.

Und ganz wichtig: Auch in Anwaltskanzleien geht heute nichts mehr ohne Computer. EDV-Kenntnisse machen sich deshalb gut in deiner Bewerbung, ebenso wie Fremdsprachenkenntnisse.

Beruf

Rechtsanwaltsfachangestellte ist viel mehr als nur Sekretärin. Klar gehört zu deinen Aufgaben auch telefonieren und schreiben am PC – aber nicht nur. Du lernst auch Büroorganisation, Buchhaltung, wie man die Arbeit des Anwalts abrechnet, Zwangsvollstreckung und vieles mehr.

Außerdem lernst du viel über das in Deutschland geltende Recht, z. B. wie ein Strafverfahren abläuft und wie es zu dem Urteil kommt, oder welche Ansprüche man nach einem Autounfall hat, ob man eine Mieterhöhung akzeptieren muss oder wann der Chef abmahnen und kündigen darf – und vieles, vieles mehr. In der Kanzlei bekommst du viele Einblicke und bist an den Verfahren hautnah vom Anfang bis zum Ende dran.

Ablauf

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Die Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten dauert in der Regel drei Jahre. In dieser Zeit lernst du alle Arbeitsbereiche einer Kanzlei kennen und wirst mehr und mehr selbständig arbeiten.

Nach dem ersten Ausbildungsjahr, spätestens aber nach 18 Monaten, legst du deine erste Prüfung ab, die Zwischenprüfung. Keine Angst, man kann nicht durchfallen, aber die Ergebnisse zeigen dir, ob du auf dem aktuellen Stand bist oder ob es noch Wissenslücken gibt.

Am Ende der Ausbildung steht dann die Abschlussprüfung. Sie besteht aus zwei Teilen, einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung. Hier kannst du zeigen, was Du in den letzten drei Jahren gelernt hast.

Im schriftlichen Teil der Prüfung werden folgende Fächer geprüft:

    1. Geschäfts- und Leistungsprozesse
    2. Rechtsanwendung im Rechtsanwaltsbereich
    3. Vergütung und Kosten
    4. Wirtschafts- und Sozialkunde

Die mündliche Prüfung ist ein sogenanntes fallbezogenes Fachgespräch, in dem „Mandanten- und/oder Beteiligtenbetreuung“ geprüft wird.

Mit bestandener Prüfung endet deine Ausbildungszeit. Wer es im ersten Anlauf nicht schafft, kann die Prüfung zweimal wiederholen.

Duales System

Die Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten erfolgt im dualen System, d.h. neben der Ausbildung in der Kanzlei muss auch die Berufsschule besucht werden.

Wenn du jetzt denkst „ach nö, nicht schon wieder Schule“ – das ist in fast allen Ausbildungsberufen so und gar nicht mal schlecht. Du lernst dort nämlich viele Kolleginnen und Kollegen kennen, mit denen du dich austauschen und neue Erfahrungen machen kannst.

Die Unterrichtszeiten werden auf die Ausbildungszeit angerechnet, d.h. an den Tagen, an denen du in der Berufsschule bist, musst du nicht in die Kanzlei oder die Zeit nachholen.

Der Unterricht findet an ein bis zwei Tagen in der Woche statt. Eine Ausnahme gibt es an der Berufsschule Straubing. Dort findet Blockunterricht statt, das heißt ein bis zwei Wochen Schule am Stück und dann wieder eine Zeit lang nur Kanzlei.

Der Besuch der Berufsschule ist grundsätzlich Pflicht. Eine Ausnahme besteht für Abiturienten und diejenigen, die zu Beginn des Schuljahres bereits 21 Jahre oder älter sind.

Berufsschulen gibt es in Nürnberg, Regensburg und Straubing.

Verkürzung

Die Ausbildungszeit beträgt drei Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, die Zeit um bis zu einem Jahr zu verkürzen.

Verkürzungsgründe sind:

  • Fachhochschulreife oder Hochschulreife um bis zu 12 Monate.
  • Realschul- oder gleichwertiger Abschluss um bis zu 6 Monate.
  • Auszubildende über 21 Jahre um bis zu 12 Monate.
  • anderweitige abgeschlossener Berufsausbildung um bis zu 12 Monate.

Auch eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung ist möglich. Wenn du als Auszubildender in der Berufsschule gute bis sehr gute Noten hast, kannst du einen Antrag auf „vorzeitige Prüfungszulassung“ stellen und schon ein halbes Jahr früher als geplant an der Prüfung teilnehmen, vorausgesetzt deine Berufsschullehrer und dein Ausbilder haben keine ernsthaften Einwände.

Weiterbildung

Mit dem Abschluss der Ausbildung ist das Ende der Karriereleiter aber noch lange nicht erreicht. Es gibt viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Hast du zum Beispiel gewusst, dass man auch ohne Abi studieren und sogar selber Anwalt oder auch was ganz anderes werden kann?

Nach deiner Ausbildung kannst Du an der Fortbildungsprüfung zum Geprüften Rechtsfachwirt teilnehmen, eine Zusatzqualifikation, mit der du dich von deinen Mitbewerbern abhebst. Deine Aufgabenbereiche in der Kanzlei werden vielfältiger, noch selbständiger und die Bezahlung besser.

Du musst dafür mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in deinem Beruf gesammelt haben. Geprüft werden die Fächer:

  • Büroorganisation und Verwaltung
  • Personalwirtschaft und Mandantenbetreuung
  • Mandatsbetreuung im Kosten-, Gebühren- und Prozessrecht
  • Mandantenbetreuung in der Zwangsvollstreckung und im materiellen Recht

Die Prüfung wird einmal im Jahr bei der Rechtsanwaltskammer abgenommen. Nähere Informationen findest Du unter www.rak-nbg.de.

Mit der bestandenen Prüfung zum geprüften Rechtsfachwirt kannst Du auch ohne Abi studieren.

Nach dem Bayerischen Hochschulgesetz muss dafür der erfolgreiche Abschluss der Fortbildungsprüfung nachgewiesen und ein Beratungsgespräch an dieser Hochschule absolviert werden.

Eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung besteht außerdem für qualifizierte Berufstätige, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Fachlich verwandte Berufsausbildung (mindestens 2 Jahre)
  • Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)
  • Beratungsgespräch an der Hochschule
  • jeweils nach Angebot der Hochschule Bestehen einer besonderen Hochschulprüfung oder nachweislich erfolgreiche Absolvierung eines Probestudiums von mindestens zwei Semestern

Verordnung über den Hochschulzugang für in der beruflichen Bildung Qualifizierte
Online Studienführer für beruflich Qualifizierte

Empfehlungen zur Ausbildungsvergütung

Der Vorstand der Rechtsanwaltskammer Nürnberg hat in seiner Sitzung vom 05.12.2015 beschlossen, folgende Empfehlungen zur Höhe der Ausbildungsvergütung auszusprechen:

  1. Ausbildungsjahr:          500,00 € (brutto)
  2. Ausbildungsjahr:          600,00 € (brutto)
  3. Ausbildungsjahr:          700,00 € (brutto)

Wieviel gezahlt wird, hängt jedoch oft von der Größe der Kanzlei und davon ab, ob sie in einer großen Stadt oder auf dem Land ist. Aber schau nicht nur auf´s Geld. Viel wichtiger ist, ob dir dein zukünftiger Chef und deine Kollegen sympathisch sind und ob du dir vorstellen kannst, dort die nächsten drei Jahre zu arbeiten.

Klar können große Wirtschaftsunternehmen ganz andere Gehälter zahlen. Aber Geld ist während der Ausbildung nicht alles! Wichtig ist auch, welche Chancen du nach der Ausbildung mit Deinem Anschluss hast und da hast du als Rechtsanwaltsfachangestellte die Nase vorne. Nicht nur Kanzleien, auch Wirtschaftsunternehmen, Banken und die Justiz wissen Deine Rechtskenntnisse, die du dann erworben hast, zu schätzen. Viele spannende Aufgabenfelder warten dann auf Dich!

Du hast noch Fragen? Dann schau doch mal zu den FAQ oder ruf uns einfach an!